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Priester Georgij Kotschetkow, Doktor der Theologie
Rektor des orthodox-christlichen Instituts des Hl. Philaret, der Begründer und der geistige Leiter der Verklärungsbruderschaft

Beitrag auf dem internationalen Kongress “Christliche Bewegungen und Gemeinschaften. Miteinander für Europa”

München
Unsere Verklärungsbruderschaft (auch bekannt als „Gemeinschaft der minderen orthodoxen Bruderschaften“) entstand vor 26 Jahren. Die Frage des Dialogs mit Christen anderer Konfessionen und nach der Möglichkeit, durch diesen Dialog die Einigkeit aller Christen erreichen zu können, war stets eines unserer Hauptanliegen.

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Translated by: Alina Patrakova, Georgia Williams (English), Olga Manzura, Sebastian Hagn (German), Elena Maisil, Daria-Dina Eremina, PIERANGELO Torricelli (Italian)

In vielen Fällen konnten wir uns auf die Erfahrung der Russisch-Orthodoxen Kirche im 19. Jh. stützen, als eine Reihe von bedeutenden Initiativen zur Einigung mit anderen Kirchen entstand – mit östlichen Kirchen (der armenischen und nestorianischen), mit Anglikanern und Altkatholiken. Dies war ein klarer Drang zur Einigung, nicht einfach zum Dialog. Nach der atheistischen Revolution von 1917 waren diese Initiativen zerstört, doch im Bewusstsein der Menschen überdauert etwas davon bis heute.

Dazu muss ich betonen, dass die Frage nach der Einigkeit aller Christen in unserem Lande im Grunde bereits in der Zeit des Gulag gelöst worden war, d.h. in der Zeit der besonders grausamen Kirchenverfolgung von Seiten der Sowjetmacht. In den sowjetischen Lagern war das Leid so groß, dass Gefangene nicht fragten, wer welcher Konfession angehört. Dort diente der Dialog des Lebens und für das Leben ganz offen der gegenseitigen Versöhnung und Bruderschaft, darunter auch der interkonfessionellen. Menschen, die stalinistische Lager erlebt hatten, erzählten danach oft davon.

Heute wissen in unserem Land und unserer Kirche viele nichts davon, oder geben vor nichts zu wissen. Denn diese Tatsache anzuerkennen wäre ein politischer Schritt, der sehr schwer zu tun wäre. Dies verlangt viel von Kirche und Gesellschaft, aber nur wenige wollen die Verantwortung dafür auch auf sich nehmen.

Unsere Bruderschaft steht nicht in der direkten Nachfolge dieser Erfahrung der Versöhnung, in vielerlei Hinsicht müssen wir sie erst wieder neu machen. Sie konnte von uns auch nicht direkt ererbt werden, weil sie von der sowjetischen Regierung und von der kirchlichen Struktur, die von der Regierung zugelassen war, unterbunden wurde, besonders vom Jahr 1943 an, als Stalin,  aus rein politischen Motiven, eine teilweise Öffnung der Kirchen zuließ und manche Bischöfe und Priester zurückbeorderte. Diese Erfahrung wird auch nicht von allen in unserer Kirche angenommen, oft genug wird sie als dissidentisch bewertet. Aber für unsere Bruderschaft ist sie ein unabdingbares Erbe.

Die Erfahrung der brüderlichen Liebe und des Miteinanders, die Erfahrung der christlichen Einigkeit in unserer Kirche verschwand niemals endgültig. Andererseits wurde die Erfahrung der christlichen Brüderlichkeit in vielerlei Hinsicht neu geboren aus der Erfahrung des Lebens und der Suche nach Antworten auf Fragen, vor die uns unsere Zeit stellte. Und das alles brachte uns zu Dialog und Versöhnung, auch wenn nur punktuell.

Noch in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre, als ich zu Gott kam, war ich gezwungen darüber nicht theoretisch, sondern ganz praktisch nachzudenken, denn damals hatte ich zu wählen, welcher christlichen Konfession ich angehören wollte. Noch in der letzten Schulklasse und später an der Universität besuchten meine Freunde und ich alle Kirchen der verschiedenen Konfessionen, die wir  in Moskau nur finden konnten – und aus für mich sehr wichtigen inneren Kriterien wählte ich die orthodoxe Kirche. Aber danach behielt ich nicht nur den Respekt, sondern auch großes Interesse für alle christlichen Konfessionen, und die Anerkennung ihrer eigenen Würde. Wir glauben an die eine  Kirche, in una sancta, aber es war von Anfang klar, dass diese eine Kirche Christi nicht in reine  Verwaltungs- oder gar kanonische Grenzen passt.

Nicht weniger bedeutend, vielleicht sogar wichtiger war in der Sowjetzeit die Suche nach der Einheit innerhalb der orthodoxen Kirchen. Unter starkem ideologischen Druck, als das ungeschriebene Gesetz galt „mehr als zwei oder drei dürfen nicht zusammenkommen“, entstanden unter denen, die Angst und Teilung überwunden hatten und trotzdem die Treffen in Christus suchten, manchmal wahrhaft brüderliche und sogar gemeindeähnliche Beziehungen. Genau so, im Kreis gläubiger Freunde, wurde noch Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre unsere Bewegung geboren. Die Menschen, die in der Umgebung des militanten Atheismus großgezogen worden waren, wurden einander gegenüber sehr offen, wenn sie in die Kirche kamen, ich kenne das von meinen Freunden. Wir haben nicht Leute gesammelt und ausgewählt, die uns glichen. Mit uns waren alle, die selbst zum christlichen Glauben gekommen waren. Und deswegen konnten wir Beziehungen mit allen, Orthodoxen wie nicht-Orthodoxen, aufnehmen. Wir kamen miteinander in einen informellen Dialog und lernten voneinander. Und das war wunderbar!

Ich persönlich hatte Glück. Fast vom Anfang meines geistlichen Lebens an war ich mit Mitgliedern der lange bestehenden Bewegung aus der Gemeinde der Moskauer Priester Alexii und Sergii Metschow bekannt. Vater Alexii war der geistliche Vater von N. Berdjajew, und sein Sohn, Vater Sergii, wurde zum Märtyrer. Dieser Kreis war zweifellos, wie wir heute sagen würden, ökumenisch, d.h. offen für die freundliche Begegnung mit Christen anderer Konfessionen. Direkt sprach niemand davon, aber wir lernten vom Beispiel der Älteren. Aus dieser Quelle wurde die Tradition der Offenheit übernommen, darunter auch die interkonfessionelle. Die Fragen der Kirche, der Qualität ihres Lebens und vor allem der Einigkeit in der Liebe, im Segen, im Glauben, in der Hoffnung, im Dienst und im Miteinander – diese Fragen kamen von selbst. Wir, die wir bewusst zum Glauben kamen, sollten alle Ängste überwinden und uns für die Tiefe und Fülle der Kirche öffnen. Anders konnte man in der Sowjetzeit nicht ernsthaft zum Christen werden.

Einer von jenen, von denen wir lernten, war Archimandrit Tavrion (Batozsky), der große heilige Starez unserer Kirche, der mehr als 20 Jahre in Verbannung und Gefangenenlagern verbrachte. Er war ein einfacher Mensch aus der Ukraine, der keine geistliche Ausbildung genossen hatte, aber er durchlebte die Qualen und Leiden des Gulag und pflanzte und pflegte bis zum Ende seines Lebens eine Beziehung der Liebe gleichermaßen unter Orthodoxen, die massenhaft zu seinem Kloster in Lettland kamen, wo er die letzten Tagen seines Lebens verbrachte, wie auch unter nicht-orthodoxen Christen. Es ist kein Zufall, dass in seiner Kirche offen eine von Katholiken geschenkte Herz-Jesu-Statue stand. Dabei propagierte er keine ökumenischen Ideen, nahm aber alles Wahrhaftige in sich auf, das er bei Christen der anderen Konfessionen fand, und war gleichzeitig immer froh, den Reichtum des Lebens der orthodoxen Kirche mit ihnen zu teilen. Und er war nicht der einzige „konfessionell offene“ Mensch in diesen Jahren.

Die Erfahrung Vater Tavrions ist in unserer Kirche bis heute weder breit aufgenommen worden, noch wird sie richtig verstanden. Mehr noch, viele Menschen finden sie verdächtig oder schädlich, man hat Angst vor ihr, man versucht sie zu ignorieren.

Unser anderer Lehrer während der 70er Jahre war der Moskauer Oberpriester Wsewolod Spiller, der in jungen Jahren in der Weißen Armee gegen die Bolschewiken gekämpft hatte. Ich kann mich erinnern, wie er eine Gruppe von Baptisten empfing, die anfingen in seine Kirche zu kommen, weil sie Interesse an der Orthodoxie hatten. Vater Wsewolod sagte zu ihnen: „Kommen sie, und wenn sie mögen, nehmen sie an unserem Gebet teil.“ Wir haben uns mit ihnen auch außerhalb der Kirche getroffen, sprachen miteinander, teilten unsere Erfahrungen. Einmal fragte ich Vater Wsewolod, ob man für sie während die Liturgie beten dürfe, ihrer während der Proskomidie und der Litaneien gedenken? Er sagte: „Eigentlich das ist bei uns nicht üblich, aber ich gebe ihnen meinen Segen dazu.“ Mit diesem Segen von Vater Wsewolod lebe ich seit mehr als 40 Jahren.

In den 1970er Jahren gab es in der Russisch-Orthodoxen Kirche jährliche Tage des Gebets für die Einheit der Christenheit. Ich habe auch daran teilgenommen, aber später hat diese Praktik aufgehört. Das war eine Folge der rückwärtsgewandten Bewegung, die im inneren Leben unserer Kirche entstand, als gegen Ende der 1980er Jahre Mengen von Menschen ohne christliche Vorbildung in die Kirche strömten, die für das geistliche und kirchliche Leben unvorbereitet waren.

Die Zeit der Geburt unserer Verklärungsbruderschaft (im Jahr 1990) liegt nicht grundlos in den Jahren des Falles der Sowjetunion. Denn damals konnte man plötzlich Dinge tun, die vorher weder in der Kirche, noch in der Gesellschaft möglich gewesen waren: Öffentlich zu predigen, selbst kirchliche Gemeinden und Bruderschaften zu gründen, ebenso geistliche Lehranstalten und christliche karitative Organisationen. Aber das Leben zeigte, dass es viel schwieriger ist, die Realität der Kirche selbst als „königliche Priesterschaft des Volkes Gottes“ ins Leben zurückzurufen.

Heute befinden wir uns noch immer in den erschreckenden Trümmern des Landes und Volkes, der Kultur und Gesellschaft. Dennoch: Als die Kirche durch den Gulag ging, durch die Zerstörung aller Menschen und aller Werte, aller menschlichen Beziehungen, aller Traditionen, in erster Linie der christlichen, kirchlichen Traditionen, erwarb unsere Kirche die einzigartige Erfahrung von Gottes Segen, und darum auch die Fähigkeit, im geistlichen Leben das Wichtigste zu schätzen. Das ist das Wichtigste, und das führt uns zu Dialog und Versöhnung.

Das Schaffen der Offenheit zu anderen orthodoxen Christen und zu Christen anderer Konfessionen, das Streben nach christlicher Einigkeit gehörte von Anfang an zu den grundlegenden Prinzipien des Lebens unserer Verklärungsbruderschaft. Dieses Prinzip lautet folgendermaßen: „Aufgrund der Anerkennung der Einigkeit aller Christen durch das Gebot des Erlösers, strebt die Bruderschaft zur Bewältigung der gemeinsamen Sünde der konfessionellen Teilung, ohne die das missionierende Zeugnis der Kirche in der Welt untergraben bleibt. Die Mitglieder der Bruderschaft streben nicht nach Vertuschung der konfessionellen Verschiedenheiten. Sie bleiben offen für den Dialog im Geist der Liebe mit Vertretern der anderen christlichen Konfessionen, unseren Brüdern und Schwestern in Christus. Die Mitglieder der Bruderschaft stehen mit Liebe und Achtung allen Äußerungen der Wahrheit und Gerechtigkeit auch außerhalb der kanonischen Grenzen der Kirche gegenüber“.

Wir denken, dass Christen zusammenarbeiten sollen, und alles was möglich ist zusammen tun sollen, und so handeln wir auch. Wir haben sehr herzliche Beziehungen zu katholischen Bewegungen: ACLI, Fokolarbewegung, Sant'Egidio, Gemeinschaften „Charles de Foucauld“, wie auch zu Baptisten und zu Evangelikalen in Moskau und anderen Regionen Russlands. Zum Beispiel gaben wir zusammen mit der italienischen Bewegung ACLI das zweisprachige Buch „Gegenwärtige Wege der Heiligkeit“ heraus, in dem sie und wir unsere bedeutendsten Lehrer vorstellen.

Einer der wichtigsten Dienste unserer Bruderschaft in der Kirche ist die konsequente und vollkommene, und dabei langwierige Katechese der erwachsenen Menschen. Diesen Dienst führen wir seit mehr als 40 Jahren aus, und zu unserer Katechese kommen manchmal auch Menschen  anderer Konfessionen. Wir versuchen sie nie in die Orthodoxie herüberzulocken. In der Katechese bringen wir sie nur bis zu dem Moment, in dem die Lehre von den Mysterien, der Askese und den Dogmen beginnt. Denn darin haben die verschiedenen Konfessionen ihre wichtigen Besonderheiten, und wir wollen nicht, dass Menschen irgendein Drängen von unserer Seite fühlen. Wir ermöglichen den Menschen die persönliche Teilnahme am Kirchenleben, und ab diesem Moment können sie ihren weiteren Lernweg in der eigenen Kirche gehen.

Zudem haben wir in unserer Bruderschaft und dem theologischen Institut des Hl. Philaret in Moskau eine einzigartige Erfahrung des gemeinsamen Gebetes mit Christen der anderen Konfessionen. Zusammen mit uns können in der Vesper evangelische Pfarrer und katholische Priester beten, und deren Gemeindemitglieder können orthodoxe Gebete lesen oder singen. Es ist sehr wichtig, dass es kein speziell ökumenisches Gebet ist, sondern alles passiert innerhalb des regulären orthodoxen Gottesdienstes. Wir versuchen das durch die allen gemeinsamen Aspekte im Gottesdienst zu realisieren, besonderes durch das „Vater Unser“. Christen der verschiedenen Konfessionen können auch an unserer gemeinsamen Lektüre und den Diskussionen über das Evangelium teilnehmen, genauso an den nacheucharistischen Agapen, den „Liebesmahlfeiern“.

Heute ist die Aggressivität des Bösen in der Welt nicht weniger stark, als sie es im schrecklichen 20. Jahrhundert war. Und wir müssen sie mit traditionellen christlichen Mitteln bekämpfen –  der Vermehrung von Liebe, Glaube und Vertrauen. Alles andere haben wir nicht in unseren Händen und Herzen, dies allein ist der wahre Weg der Einigkeit. Die Menschen vereinigen sich in der Liebe und Offenheit ihres Herzens, in der Hoffnung, der geistigen Freiheit und der Einverleibung in das göttliche Licht.

Wenn unsere Kirchen ihr geistiges Leben in einem höheren Grad befeuert hätten, könnten diese Fragen besser gelöst werden. Wir müssen den Schmerz durch das Ausbleiben der Fülle der Einigkeit aller Christen stärker empfinden, genauso wie das Ausbleiben der Fülle des kirchlichen Lebens an sich, nicht nur des interkonfessionellen. Man hört oft, dass wir alle zu der einen ungetrennten Kirche zurückkehren sollen. Aber solch ein Zurückkehren ist unmöglich. Wir alle müssen uns nicht zurück bewegen, sondern nach vorne und nach oben – zu Gott Vater durch Christus im Heiligen Geist!

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